Zehnjähriges Jubiläum der Sternwarte Stutensee
Seit einem Jahrzehnt nun sogar mit eigener Sternwarte auf dem Schuldach. Ein Projekt, das ohne seinen Einsatz wohl in den Sternen geblieben wäre. Mit dem Jubiläum tritt er nun in die zweite Reihe und widmet sich einer seiner weiteren Passionen, dem Improvisationstheater. Er übergibt „sein Baby“ jetzt in neue Hände.
Dass sich Hartmuts Engagement gelohnt hat, zeigte sich eindrucksvoll an der Resonanz: Rund 30 bis 40 ehemalige „Astro-AGler“ fanden den Weg zurück an ihre alte Wirkungsstätte. Dazu gesellten sich einige aktuelle Schülerinnen und Schüler sowie viele interessierte Bürgerinnen und Bürger aus Stutensee. Schon beim „Ehemaligen-Get Together“ ab 15:45 Uhr wurde schnell klar: Wer einmal (oder mehrfach) nachts in der Kälte an einem Teleskop gestanden hat, den verbindet etwas fürs Leben. Während Erinnerungen ausgetauscht, Kaffee getrunken und die Teleskope startklar gemacht wurden, öffnete die Veranstaltung ab 17:30 Uhr offiziell ihre Türen für die Öffentlichkeit. Nach einer kurzen, persönlichen Ansprache von Hartmut ging es auch direkt ans Beobachten. Die Besucherinnen und Besucher konnten die Sonne durch speziell ausgerüstete Teleskope (Filter!!!) beobachten. Aber auch die biologisch Interessierten kamen auf ihre Kosten. Ein frisch verliebtes Storchenpaar bei der Nestpflege konnte in Nahaufnahme betrachtet werden. Ob sich die Störche der erhöhten Aufmerksamkeit bewusstwurden, ist nicht überliefert. Allerdings liegt dieser Schluss nahe, denn ab ca. 18 Uhr waren sie verschwunden und kehrten erst spät wieder zurück.
Mit fortschreitender Dämmerung wurde es dann noch spannender: Mond, Venus und Jupiter standen auf dem Beobachtungsprogramm und präsentierten sich von ihrer besten Seite. Bei Traumwetter konnten unser gerade im zunehmen begriffener Trabant sowie die schöne Venus und der helle Jupiter (mit Monden und Streifen!) betrachtet werden. Und das mit vier bis fünf Teleskopen gleichzeitig!
Ein weiteres Highlight des Abends begann ab etwa 20:30 Uhr. Ehemalige der Astro-AG, heute tätig als Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, als Ingenieure und Ingenieurinnen oder in anderen spannenden Berufsfeldern, berichteten in kurzen Vorträgen über ihren Werdegang. In jeweils 10 (meistens mehr) Minuten spannten sie einen beeindruckenden Bogen von ihren ersten Schritten in der AG bis hin zu aktuellen Projekten und Forschungsfeldern. Die Themenvielfalt war groß: von Theoretischer Physik und Topologie über Astroteilchenphysik und Teilchenphysik, Meteorologie und Meteoritenforschung bis hin zu Satellitenentwicklung, Elektrotechnik, Wasserstoff-Elektrolyse und der Modellierung von Pinguinkolonien. Die Vorträge waren so gut, dass der Zeitplan dezent in Richtung „astronomische Dimensionen“ gedehnt wurde. Danke an alle, die einen Vortrag gehalten haben!
Doch damit war der Abend noch lange nicht zu Ende: Ab etwa 23 Uhr wurden die Teleskope erneut ausgerichtet, diesmal für „Deep Sky“-Beobachtung. Zu sehen waren unter anderem eine Spiralgalaxie (M81), ein Kugelsternhaufen (Herkuleshaufen) und der beeindruckende Orionnebel. Gerade das moderne, appgesteuerte SeeStar-Teleskop produzierte verblüffende Bilder und ließ selbst erfahrene Beobachterinnen und Beobachter staunen.
Am Ende stand ein rundum gelungenes Jubiläum, das eindrucksvoll zeigte, was mit Engagement, Begeisterung und einem klaren Blick in den Himmel erreicht werden kann. Die Veranstaltung war nicht nur ein Wiedersehen, sondern auch eine Inspiration für die nächste Generation und beste Werbung für die Astronomie sowie für unsere Schule. Ich denke, stellvertretend für viele ehemalige AGler sprechen zu können: Danke Hartmut für deinen Einsatz, für deine ansteckende Begeisterung, für dein ganzes Wirken in und um die Sternwarte. Und auch wenn du es vielleicht zu kitschig findest: ohne dich hätten all diese Menschen sich nicht bis nachts um drei zusammengefunden, durch Teleskope geschaut und sich über gestern, heute und morgen unterhalten.
Arm